Forscher Minister und reservierter VW-Chef

by Sarah Di Lauro, Oktober 2, 2015

Die Idee für einen Wirtschaftsbranch in Zwickau hatte VW-Sachsen-Chef Siegfried Fiebig. Dass dieses Treffen von Unternehmern und Managern der Region nun zu einem  für VW ungünstigen Zeitpunkt ist, konnte er vor Wochen noch nicht ahnen. Sein Statement zu den geschönten Diesel-Abgaswerten fiel sehr zurückhaltend aus: „Die Vorkommnisse werden aufgeladen, uns und die Zulieferer überrollt derzeit eine Spekulationslawine“, sagte der Professor.

Deutlich auskunftsfreudiger war dagegen Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD). „Wir haben nicht nur Nachholbedarf bei Produktivität sowie Forschung und Entwicklung, sondern auch bei den Löhnen“, sagte er in der Podiumsdiskussion vor etwa 120 Gästen. Der Staat kann die Erhöhung nicht verordnen. Dulig setzt daher auf die Tarifparteien. In Sachsen sind nur knapp 20 Prozent der Betriebe in Arbeitgeberverbänden organisiert. Nur für sie gelten die Flächentarifverträge.

Und die Sachsen brauchen höhere Einkommen. Hier gibt es zwar die meiste Einfkaufsfläche pro Einwohner. Mit einem Bruttomonatsverdienst von durchschnittlich 2895 Euro, das sind rund 78 Prozent des West-Niveaus, können sich viele ein Shoppingvergnügen nur selten leisten.